Nieren- oder Hodendolch

Generell: Der Nierendolch taucht unter anderem in der großen Heidelberger Liederhandschrift sowie dem Lutrell-Psalter (ca. 1330 – 1345) und dem Romance du Alexander (1338 – 1344) auf. Er entwickelte sich als Beiwaffe zu einem typischen Modeaccessoir, das bis ins 16te Jahrhundert von Männern getragen wurde. Seine Bezeichnung verdankt er den kugelförmigen Verdickungen am Griff, die ihm auch den Namen “Hodendolch” geben.

Quelle: Im Bestand des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg befinden sich zwei relativ gut erhaltene Fragmente von sog. Nieren- oder Hodendolchen. Beide Fragmente sind in das 14. Jahrhundert datiert und werden im Kaiserburgmuseum ausgestellt. Mehrere figürliche Darstellungen an und in der Nürnberger Sebalduskirche weisen generell auf das Tragen von Dolchen in Nürnberg hin, so trägt z.B. einer der Schergen in einer Kreuzigungsszene des um 1380 fertiggestellten Ostchores der Sebalduskirche einen Nierendolch, an anderen Plastiken sind auch verschiedene andere, zeitgenössische Dolchformen zu beobachten.

Beschreibung des Originales: Laut Angaben des Museums bestehen die Fragmente aus geschmiedetem und geschliffenem Eisen, bei einem Fragment sind die Reste eines geschnittenen Holzgriffes zu erkennen. Als Fundort wird lediglich Süddeutschland bzw. Schweiz angegeben, genauere Umstände zum Fundort, Fundumfeld, Fundhergang oder eventuelle Zusammenhänge mit anderen Fundobjekten sind leider nicht bekannt. Die Datierung wurde relativ grob auf das 14. Jahrhundert festgesetzt. Genauere Umstände, welche zur Datierung beigetragen haben, sind nicht eroierbar.