Nürnberger Fünfpassbecher

Allgemein: Im Spätmittelalter waren Trinkbecher bzw. so genannte Mehrpassbecher äußerst beliebt, wie die Anhäufung des entsprechenden Fundgutes in etlichen, über ganz Süddeutschland (z.B. Freiberg/Sachsen, Regensburg, Bayreuth, Würzburg, Nürnberg, Burgthann, Forchheim, Neuses a.d. Pegnitz etc.) und dem heutigen Tschechien verteilten Fundkomplexen und Einzelfunden beweisst. Hier ist jedoch zu beobachten, dass sich gerade die Mehrpassbecher in Form und Größe regional wesentlich unterscheiden.

Quelle: Das Original befindet sich im Besitz des Germanischen Nationalmuseums und wird zeitweise im Kaiserburgmuseum ausgestellt.
Fundort:
Nürnberg, Albrecht-Dürrer-Gasse 6

Beschreibung des Originales und der Fundzusammenhänge: In welchem Zustand das Objekt aufgefunden wurde, kann, da dies seitens des Museums nicht weiter schriftlich fixiert wurde, nur anhand der deutlich sichtbaren Restaurationspuren vermutet werden. Anscheinend war das Objekt in mehrer Bruchstücke zerscherbt, konnte aber, bis auf ein ca. Daumennagel großes Loch in der Gefäßwandung, welches sich knapp über dem Boden befindet, komplett wieder hergestellt werden. Das Objekt besitzt einen flachen Standboden, zeigt einen nach oben hin konischen Bauch mit mehrzeiligem, deutlich ausgearbeitetem Furchenband und nach Einziehung einen relativ hohen, ausladenden, fünfpassförmigen Rand.  Anhand dieser Formensprache kann das Objekt als Becher Typ 8 nach Robert Koch eingeordnet werden. Zu Verarbeitung und Scherben können keine genaueren Angaben gemacht werden, vermutlich ist das Original weiße Drehscheibenware, Fundort war laut Ausstellungsangaben in der Albrecht-Dürer-Gasse 6, genauere Umstände zum Fundumfeld, Fundhergang oder eventuelle Zusammenhänge mit anderen Fundobjekten sind uns leider nicht bekannt. Die Datierung wurde relativ grob auf das 14. Jahrhundert festgesetzt, jedoch lassen Formensprache und das deutlich herausgearbeitete Furchenband eine Datierung in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts vermuten.

Quellenlage/Vergleiche: Die spezielle Form der Ausgestaltung dieses Objektes in einer fünfpassigen Form läßt sich an  weiteren Fundstücken aus der Region nachweisen. Das erste Vergleichsstück stammt aus der im Jahre 1996 erfolgten Grabung bei Neusses an der Regnitz im Landkreis Forchheim. Anhand der Stratigraphie und einiger Münzfunde wurde der Komplex auf um 1300 datiert (“Ritter, Burgen, Dörfer” – Katalog zur Ausstellung zum 650 Todestages des Konrad von Schlüsselberg). Bei diesem Fundstück sind die Pässe der Lippe jedoch in Halbkreisform ausgearbeitet, der metallisch glänzende Gefäßkörper läßt vermuten, dass hier durch den Hersteller die optische Kopie eines Metallgefäßes angestrebt wurde. Es wird vermutet, dass das Fundstück Importware aus Böhmen ist. Weitere Funde fünfpassiger Becher wurden im Rahmen der Sonderaustellung “Toppler” des Reichstadtmuseums Rothenburg gezeigt. Diese stammen zum einen aus Rothenburg o. d. Tauber selbst, hier  aus der Ergrabung einer Faßlatrine am Marktplatz, sowie aus dem Burgstall bei Endsee, beide Becher sind relativ grob auf das 14. Jahrhundert datiert.

Im Gegensatz zu verschiedenen Funden von Mehrpassigen Bechern aus den Komplexen „wilder Mann“ sowie „schwarzes Kreuz“, welche durch die Archäologie allesamt den Schankgefäßen für den gewerblichen Bierausschank zugeordnet werden (C. Frieser 1999), ist das bearbeitete Objekt relativ klein. Fassen die Funde aus den beiden genannten Komplexen jeweils ca. 1,2 Liter Flüssigkeit, so beträgt das Fassungsvermögen des Objektes ca. 0,55 Liter. Diese Tatsache läßt annehmen, dass es sich bei dem vorliegenden Objekt um einen reinen Trinkbecher und kein Schankgefäß handelt.

Diese Rekonstruktion ist eine Arbeit von Anna Axtmann.