Henkelkanne Irrerstr. 19 Nürnberg

Quelle: Replik einer Kanne aus der Grabung der Latrine des Anwesens Irrerstraße 19 (ehem. Gasthaus zum Rudolf), Publikation von Claudia Frieser “Zwei spätmittelalterliche Wirtshäuser in Nürnberg – Kleinfunde aus der Irrerstraße”, Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands, Verlag Dr. Faustus Büchenbach , hier Tafel 11/Nr.2.

Datierung und Beschreibung des Originales: Da es sich bei dem Fundkomplex aus der Irrerstraße 19 um eine Notbergung handelte, mußte auf eine stratigraphische Befundaufnahme verzichtet werden. Durch dentrochronologische Untersuchung der Bauhölzer der Latrine, welche eine Fällzeit der Hölzer um 1295 bis 1310 belegen, konnte ein ungefährer terminus post quem für die Funde herangezogen werden.
Fr. Frieser unterteilt die keramischen Funde in unterschiedliche Materialgruppen, wobei die hier beschriebene Kanne der Materialgruppe 3.1, reduzierend gebrannte glimmerhaltige Ware/Grobware (MG3.1), zugeordnet wird. Insgesamt werden die Materialgruppen MG.3, MG.4 sowie MG.5 Var.1 von Fr.Frieser in den Zeitraum zweites Viertel bis Ende des 14. Jahrhunderts eingeordnet. Die Scherbenfarbe der MG 3.1 setzt sich aus verschiedenen Grautönen zusammen, wobei an der Oberfläche des Scherbens Umbragrau überwiegt.
Leider existiert zum Nürnberger Kannenfund mit der doch sehr modern anmutenden Form kein regionaler Vergleichsfund, ein ähnliches Stück stellt ein engmündiges Kannenfragment aus Hildburghausen dar, welches in die zweite Hälfte des 13. bis zur Mitte des 14.Jahrhunderts datiert wird. Zudem zeigt der Fund die für den Zeitraum zweites Viertel bis Ende 14. Jahrhundert typische Gefäßform mit Schwerpunkt knapp oberhalb halber Höhe. Auch entsprechende herstellungstechnische Merkmale wie das Fehlen von Abschneidspuren am Gefäßboden, welche die Verwendung einer Zwischenscheibe beim Drehen nahelegen, lassen einen Entstehungszeitraum in die vermutete Übergangszeit von leichter  Blockscheibe mit Zwischenscheibe zur schweren Blockscheibe vermuten.

Allgemein:
Diese Kannenform bleibt im regionalen Kontext bezüglich der Datierung ein Einzelstück, lediglich der überregionale Vergleich mit dem Fund aus Hildburghausen weisst auf eine Verbreitung dieser Form im vorgegebenen zeitlichen Rahmen hin. Spätere Fundstücke aus Nürnberg aus dem 15. Jahrhundert hingegen zeigen zwar formensprachliche Paralellen auf, lassen sich aber nicht der MG 3.1 zuordnen.

Diese Rekonstruktion ist eine Arbeit von Anna Axtmann.