Napfartiger Becher mit Fadenauflage

Quelle: Die Fragmente mehrer Objekte aus dem Fundkomplex zum wilden Mann werden teilweise im Kaiserburgmuseum Nürnberg oder im Germanischen Nationalmuseum gezeigt. Die nicht zusammengefügten Fragmente des Burgthanner Objekts befinden sich im Museum der Burg in Burgthann bei Nürnberg.

regionaler Vergleich: Im Fundkomplex “Gasthaus Zum schwarzen Kreuz” in Nürnberg wurde als herausragendes Einzelstück eine stark zerscherbte Glasschale, welche aus dünn geblasenem, hellgrünen Glas besteht und spiralförmig mit Glasfaden umwickelt ist, geborgen. Weiterhin wurden bei der Grabung am Weinmarkt 11, dem Wirtshaus zum wilden Mann, weitere Fragmente für mindestens acht Gläser dieses Types geborgen. Der Fund aus Burg Thann entspricht typologisch diesen Schalen, wobei der Fundkomplex “Zum schwarzen Kreuz” auf den Zeitraum spätes 13. bis spätes 14. Jahrhundert datiert wurde. Neuere Erkenntnisse verschieben den ursprünglich auf das 15. Jahrhundert datierten Komplex aus dem wilden Mann mittlerweile auf den Zeitraum spätes 13. bis Ende 14. Jahrhundert (siehe hierzu z.B. C. Frieser). Weitere Funde gleicher Typologie, jedoch wohl älteren Ursprunges, sind aus Würzburg, Cheb und Prag bekannt.

Die Fundzusammenhänge in Burgthann: Im Rahmen einer Grabung im Areal eines ehemaligen Kellergewölbes auf der Burg Thann wurde eine Vielzahl von Keramik-, Holz-, Glas- sowie Buntmetallobjekten geborgen. Das Fundstück selbst ist massiv zerscherbt, es blieb lediglich ein Fragment des Bodens mit einem Teil der Gefäßwandung erhalten. Zu erkennen ist hier, dass das Gefäß aus hellgrünem Glas besteht und die Gefäßwandung im mittleren Bereich wohl spiralförmig mit einem Glasfaden umwickelt war. Im unteren Bereich der Gefäßwandung läßt sich ein Glasfaden, welcher in einem durchgängigen Zickzackmuster umläufig ist, erkennen. Das Gefäßfragmente wurden bisher nicht zu einer Restauration zusammengeführt. Der Fundkomplex wurde anhand der vorliegenden Keramik auf Ende 13. bis Mitte 14. Jahrhundert datiert.

Generell: Diese Gläser zählen zur Gefäßgruppe glattwandiger Gefäße mit Fadenauflage. Ihrer Form entsprechend kann man sie eher als napf- oder schüsselartig bezeichnen, denn als Becher. Grundsätzlich ist bei diesen Gefäßen der Durchmesser der Lippe größer als die Gesamthöhe.

Lange Zeit bleiben Gläser im archäologischen Fundgut selten und galten deshalb als vornehmes Trinkgeschirr einer exklusiven Oberschicht. Erst mit der systematischen Erforschung der mittelalterlichen Stadtkerne änderte sich das Bild radikal: Seit den 1980er Jahren finden sich Glasfragmente unterschiedlichster Art in vielen Latrinengruben.