Vierpassbecher Weinmarkt

Quelle: Replik eines Objektes aus der Grabung am Weinmarkt 11 (ehem. Gasthaus zum wilden Mann), Publikation “Aus dem Wirtshaus zum wilden Mann – Funde aus dem mittelalterlichen Nürnberg”, Ausstellungskatalog des GMN, Nürnberg 1984 (siehe hierzu auch die Anmerkung zur genannten Veröffentlichung unter “Literatur und Quellen”).

Beschreibung des Originales und der Fundzusammenhänge: Das Objekt besitzt einen kleinen, geschweiften Standfuß, auf dem konisch nach oben steigenden Bauch zeigt sich ein trichterförmiger, in Vierpassform gefälteter Rand sowie auf der Außenseite des Bauches ein mehrzeiliges, deutlich ausgearbeitetes Furchenband. Anhand dieser Formensprache kann das Objekt als “Becher Typ7” nach Robert Koch eingeordnet werden.
Zum verwendeten Werkstoff sowie zur genaueren Verarbeitung/Brennweise können zum momentanen Stand der Recherchen keine genauen Angaben gemacht werden.
Der Becher war, neben einem weiteren, ähnlichen Objekt, Bestandteil der keramischen Funde aus der Grabung am Weinmarkt 11, welche im Jahre 1984 erfolgte.  Die Datierung wurde mittlerweile auf das 14. Jahrhundert festgesetzt, jedoch lassen Formensprache und das deutlich herausgearbeitete Furchenband eine  Entstehung des Bechers in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts vermuten.

Quellenlage/Vergleiche: Im Gegensatz zu verschiedenen Funden von Mehrpassigen Bechern aus den Komplexen „wilder Mann“ sowie „schwarzes Kreuz“, welche durch die Archäologie allesamt den Schankgefäßen für den gewerblichen Bierausschank zugeordnet werden (C.Frieser 1999), ist das bearbeitete Objekt relativ klein. Fassen die Funde aus den beiden genannten Komplexen jeweils ca. 1,2 Liter Flüssigkeit, so beträgt das Fassungsvermögen des Objektes ca. 0,4 Liter Flüssigkeit. Diese Tatsache läßt annehmen, dass es sich bei dem vorliegenden Objekt um einen reinen Trinkbecher und kein Schankgefäß handelt.
Ein vierpassiger Becher vergleichbarer Größe stammt aus einem Befund von der Söldnersgasse/Insel Schütt (Nürnberg).

Generell: Im Spätmittelalter waren Trinkbecher bzw. so genannte Mehrpassbecher äußerst beliebt, wie die Anhäufung des entsprechenden Fundgutes in etlichen, über ganz Deutschland (z.B Freiberg/Sachsen, Regensburg, Bayreuth, Würzburg, Nürnberg, Burgthann, Forcheim, Neuses a.d. Pegnitz etc.) und dem heutigen Tschechien verteilten Fundkomplexen und Einzelfunde beweisst. Hier ist jedoch zu beobachten, dass sich gerade die Mehrpassbecher in Form und Größe regional wesentlich unterscheiden.

Diese Rekonstruktion ist eine Arbeit von Anna Axtmann.