Textiles und Kleidungszubehör 1380/1400

Kleidung: Aus diversen Bild- und Textquellen können wir in Erfahrung bringen, welche Kleidung damals von den Menschen getragen wurde. Spezifische regionale Eigenheiten in der Kleidung zeigen Figuren an verschiedenen zeitgenössischen Brunnen und Kirchen Nürnbergs. Auch über die Trageweisen der unterschiedlichen Kleidungsstücke erfahren wir anhand dieser Bild- und Textquellen sehr viel.
Zu den Fertigungsweisen und Materialien sagen diese Quellen jedoch sehr wenig aus, und regionale und zeitlich passende Kleidungs- und Textilfunde sind selten bis gar nicht im archäologischen Fundgut enthalten, da die zur Kleidungsherstellung verwendeten organischen Materialien im Boden rasch verwittern.
Zur Rekonstruktion der Kleidung greifen wir daher auf Fundkomplexe zurück, deren Bodenverhältnisse eine Konservierung der Textilien ermöglichten. Insbesondere sind hier von großer Bedeutung die Funde in Herjolfsness in Grönland, Kragelund in Dänemark, aus dem Londoner Hafenviertel sowie der Fund im Bokstenmoor in Schweden und in Bezug auf Schuhe Konstanz, Freiburg und Bayreuth. Dieses Fundmaterial und eine Abgleichung mit regionalen Bild-, Text- und baulichen Quellen ermöglichen es uns, Material, Schnitte und Verarbeitungsweisen zeitgemäßer Kleidungsstücke zu rekonstruieren.

Gürtel und Taschen: Formen und Längen für Kleidergürtel lassen sich primär aus in den „Satzungsbüchern der Reichsstadt Nürnberg“ schriftlich fixierten Handwerksvorschriften erschliessen. Schnallenformen und evtl. verwendete Beschläge können teilweise aus der Betrachtung figürlicher Darstellungen an Nürnberger Kirchen und Brunnen erschlossen werden. Für die technische Rekonstruktion von Kleidergürteln müssen jedoch, ob fehlender Funde aus dem Nürnberger Raum, Fundkomplexe aus anderen Regionen zu Rate gezogen werden. Auch hier greifen wir hauptsächlich wieder auf den von Fr. C. Schnack sehr ausführlich beschriebenen Befund aus Konstanz zurück, zur Ergänzung und zum direkten Vergleich werden die Fundkomplexe aus Schleswig, London, York und Dover zu Rate gezogen.
Die Verwendung von in Form und Größe unterschiedlichster Gürteltaschen lässt sich für Nürnberg an etlichen figürlichen Darstellungen an Nürnberger Kirchen und Brunnen nachweißen. Jedoch liefern uns diese Darstellungen, wie auch bei den Kleidergürteln, keinen Hinweis zu Konstruktions- und Fertigungsweisen. Auch hier müssen wir auf Funde überregionaler Komplexe, in der Hauptsache hier wiederum auf die Funde aus Konstanz, zurückgreifen. Wiederum zur Ergänzung werden die Funde aus Bayreuth, Schleswig, London, York und Dover herangezogen.