Gürteltasche in D-Form nach Bayreuth

bayreuthtasche-300x225Quelle: Bischof, Andrea: Ein Spätmittelalterlicher Brunnen aus Bayreuth, Ergebnisse einer archäologischen Ausgrabung an der ehemaligen Schmiedgasse nahe der Stadtmauer; Magisterarbeit (Bamberg 2006) sowie nach einer Gürteltasche einer Plastik im Portal der Frauenkirche in Nürnberg (zweite Hälfte 14. Jahrhundert)

Beschreibung der Rekonstruktion: Die Rekonstruktion basiert auf Fragmentfunden aus einer Brunnenergrabung in Bayreuth, datiert wurden die Fragmente auf die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts, vergleichbare Taschen- und Fragmentfunde finden sich z.B. in Konstanz und London. Die Tasche wurde aus vegetabil gegerbtem Bovinaleder hergestellt und ist mit gewachstem Leinenzwirn in Wendenahttechnik von Hand genäht worden.  Diese Tasche ist mit einer Schliesse versehen, diese Verschlußart ist auch an einigen Taschen verschiedener Plastiken an der Frauen – und Sebalduskirche zu beobachten. Die Schliesse ist eine Nachbildung eines Bodenfundes, die Form der Schliesse war im genannten Zeitraum europaweit sehr verbreitet. Das Riemenendstück wurde aus Messingblech gebogen und anschliessend mit dem Riemen vernietet.

Generell: Da mittelalterliche Kleidung im Gegensatz zu modernen Kleidungsstücken keine eingearbeiteten Taschen besaß, wurden bei Bedarf  Beutel aus vielfältigen Materialien sowie andere  Taschen, meist am Gürtel befestigt, getragen.
Speziell Gürteltaschen in ihren unterschiedlichsten Formen erfreuten sich, wie uns einen Vielzahl von zeitgenössischen Abbildungen zeigen, besonders ab dem Spätmittelalter einer weiten Verbreitung, wobei diese scheinbar beinahe ausschliesslich von Männern getragen wurden.

Die frühest erfassbaren Gürteltaschen des hohen und späten Mittelalters hatten sehr einfache Grundformen (Runneburg und Codex Mannese z.B. ausladende D-Form, Schleswig und Konstanz teilweise rechteckig mit abgerundeten Ecken, bei letzteren beiden stand wohl in erster Linie die Funktionalität im Vordergrund), wobei die größeren Futteraltaschen aus dem Codex Manesse sowie die Tasche aus der Runneburg auf der Deckelklappe jeweils eine wahrscheinlich hinterfütterte Verzierung aufweisen und somit schon modische Ansprüche erfüllten.  Das Spektrum der D – Formen erstreckt sich von den erwähnten großen D-Formen ( Codex Manesse – Runneburg ) über die kleineren, fast rechteckigen ( z.B. Konstanz oder Schleswig) und reine, allerdings kleinere D- Formen ( London – Nürnberg – Bayreuth) bis hin zu „Viertelmond“ – bzw. „Sichelförmigen“ ( Brüssel ) Futteraltaschen.