Gürteltasche in D-Form nach Konstanz

t_konst-251x299Quelle:  C. Schnack, Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz, Grabung Fischmarkt, Materialhefte zur Archäologie Heft 26, Konrad Theiss Verlag 1994. Objekt Tafel 44, Fund – Nr. 1929a und Nr. 1929a, sowie nach einer Gürteltasche einer Plastik im Portal der Frauenkirche in Nürnberg (zweite Hälfte 14. Jahrhundert)

Beschreibung der Rekonstruktion: Die Rekonstruktion basiert auf Fragmentfunden aus der Grabung in Konstanz/ Fischmarkt, sowie der Gürteltasche einer Plastik im Portal der Frauenkirche in Nürnberg. Die Tasche wurde aus vegetabil gegerbtem Bovinaleder hergestellt und ist mit gewachstem Leinenzwirn in Wendenahttechnik von Hand genäht worden.  Entgegen des Rekonstruktionsvorschlages von Fr. Schnack ist diese Tasche mit einer Schliesse versehen, diese Verschlußart ist auch an der genannten Plastik in der Frauenkirche zu beobachten. Die Schliesse ist eine Nachbildung eines Bodenfundes, die Form der Schliesse war im genannten Zeitraum europaweit sehr verbreitet. Das Riemenendstück wurde aus Messingblech gebogen und anschliessend mit dem Riemen vernietet.

Generell: Da mittelalterliche Kleidung im Gegensatz zu modernen Kleidungsstücken keine eingearbeiteten Taschen besaß, wurden bei Bedarf  Beutel aus vielfältigen Materialien sowie andere  Taschen, meist am Gürtel befestigt, getragen.
Speziell Gürteltaschen in ihren unterschiedlichsten Formen erfreuten sich, wie uns einen Vielzahl von zeitgenössischen Abbildungen zeigen, besonders ab dem Spätmittelalter einer weiten Verbreitung, wobei diese scheinbar beinahe ausschliesslich von Männern getragen wurden.

Die frühest erfassbaren Gürteltaschen des hohen und späten Mittelalters hatten sehr einfache Grundformen (Runneburg und Codex Mannese z.B. ausladende D-Form, Schleswig und Konstanz teilweise rechteckig mit abgerundeten Ecken, bei letzteren beiden stand wohl in erster Linie die Funktionalität im Vordergrund), wobei die größeren Futteraltaschen aus dem Codex Manesse sowie die Tasche aus der Runneburg auf der Deckelklappe jeweils eine wahrscheinlich hinterfütterte Verzierung aufweisen und somit schon modische Ansprüche erfüllten.  Das Spektrum der D – Formen erstreckt sich von den erwähnten großen D-Formen ( Codex Manesse – Runneburg ) über die kleineren, fast rechteckigen ( z.B. Konstanz oder Schleswig) und reine, allerdings kleinere D- Formen ( London – Nürnberg – Bayreuth) bis hin zu „Viertelmond“ – bzw. „Sichelförmigen“ ( Brüssel ) Futteraltaschen.