rechteckiger Beutel, Schleswig u.a.

Quelle: C. Schnack, Mittelalterliche Lederfunde aus Schleswig – Futterale, Riemen, Taschen und andere Objekte, Ausgrabung Schild 1971 -1975; Ausgrabungen in Schleswig, Berichte und Studien 13, 1994; Seite 59, Abbildung 32, Nr. 1676 sowie Seite 60, Abbildung 34, Nr. 1462;

G. Eagan und F. Pritchard, Dress Accessories, Medieval Finds from Excavations in London, Seite 345, Abbildung 227, Nr. 1694 sowie Seite 346, Abbildung 228, Nr. 1695;

Beschreibung der Rekonstruktion: Der Beutel wurde aus einem hochrechteckigen Stück vegetabil gegerbtem Bovinaleder hergestellt. Dieses wurde in der Mitte gefaltet und an den Seiten mit einer Überwendlichnaht geschlossen. Durch die Riemenösen sind zwei Lederbänder gezogen, eines dient als Verschluß, das andere als Befestigungsöse für die Trageweise am Gürtel. Für die Nahtverbindung wurde gepichter und gewachster Leinenzwirn verwendet.

Quellenlage/Vergleich: Rechteckige Beutel sind bereits aus dem wikingerzeitlichen Haithabu überliefert, Vergleichsfunde stammen aus dem mittelalterlichen Lübeck, aus Svendborg, Hohensalza, Pleskau, und Breslau. Die Laufzeit dieser Beutel lässt sich gesichert vom 10. Jahrhundert bis in das 15. Jahrhundert angeben.

Generell: Da mittelalterliche Kleidung im Gegensatz zu modernen Kleidungsstücken keine eingearbeiteten Taschen besaß, wurden bei Bedarf  Beutel aus vielfältigen Materialien sowie andere  Taschen, meist am Gürtel befestigt, getragen. Solche Beutel dürften vermutlich zum Verwahren von Geld, Schmuck und anderen Kleinigkeiten Verwendung gefunden haben. Während auf Abbildungen nur sehr wenige Beispiele für am Gürtel getragene Beutel zu finden sind, lassen sich diese in vielen archäologischen Befunden über einen breiten Zeitraum des Mittelalters nachweisen.