trapezoide Tasche mit ausgezogenem Boden

Quelle: Rekonstruktion einer Gürteltasche basierend auf einer Plastik an der Nordseite der Portal – Aussenwand der Frauenkirche in Nürnberg, datiert auf die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Beschreibung der Rekonstruktion: Die Besonderheit dieser Taschenform besteht in einem in stumpfem Winkel ausgezogenen Boden, im Gegensatz zu den weitverbreiteten trapezoiden Taschen mit nach innen gezogenem Boden. Die Tasche selbst wurde aus vegetabil gegerbtem Bovinaleder hergestellt, vor dem vernähen wurde das Leder mit einer Eisensulfat-Essiglösung schwarz gebeizt. Als Innenfutter dient mit Indigo gefärbtes Leinen in Tuchbindung. Die Tasche ist mit gepichtem und gewachstem Leinenzwirn in Wendenahttechnik von Hand genäht worden. Bei der Schnalle handelt es sich um eine einfache, rechteckige Schnalle aus Bronzeguß

Generell: Da mittelalterliche Kleidung im Gegensatz zu modernen Kleidungsstücken keine eingearbeiteten Taschen besaß, wurden bei Bedarf Beutel aus vielfältigen Materialien sowie andere Taschen, meist am Gürtel befestigt, getragen.
Speziell Gürteltaschen in ihren unterschiedlichsten Formen erfreuten sich, wie uns einen Vielzahl von zeitgenössischen Abbildungen zeigen, besonders ab dem Spätmittelalter einer weiten Verbreitung, wobei diese scheinbar beinahe ausschliesslich von Männern getragen wurden.
Die frühest erfassbaren Gürteltaschen des hohen und späten Mittelalters hatten sehr einfache Grundformen (Runneburg und Codex Mannese z.B. ausladende D-Form, Schleswig und Konstanz teilweise rechteckig mit abgerundeten Ecken, bei letzteren beiden stand wohl in erster Linie die Funktionalität im Vordergrund), wobei die größeren Futteraltaschen aus dem Codex Manesse sowie die Tasche aus der Runneburg auf der Deckelklappe jeweils eine wahrscheinlich hinterfütterte Verzierung aufweisen und somit schon modische Ansprüche erfüllten.
Das Spektrum der D – Formen erstreckt sich von den erwähnten großen D-Formen ( Codex Manesse – Runneburg ) über die kleineren, fast rechteckigen ( z.B. Konstanz oder Schleswig) und reine, allerdings kleinere D- Formen ( London – Nürnberg – Bayreuth) bis hin zu „Viertelmond“ – bzw. „Sichelförmigen“ ( Brüssel ) Futteraltaschen. Erst mit weiter zunehmender Verwendung der Gürteltasche als modisches Accessoire entwickeln sich auch speziellere Formen. An erster Stelle dürfte hier die, von England und Flandern ausgehende, bald europaweit verbreitete trapezoide Gürteltasche stehen (Fragmentfunde unter anderem aus London und Dover, Abbildungen aus dem englischen Lutrell-Psalter und dem flämischen Romance du Alexander, sowie Plastik an Sebalduskirche in Nürnberg).  Diese Form hat sich beginnend ab ca. 1340 aus dem französisch – englischen Raum kommend über ganz Europa verbreitet und bis in das 15. Jahrhundert hinein erhalten. Spätere Modelle um die Jahrhundertwende zum 15. Jahrhundert weisen dann schon auf die folgenden Formen der sog. „Nierentaschen“ hin. Desweiteren kann behauptet werden, dass auch die schon bekannte D-Form Parallel hierzu in den verschiedensten Spielarten weiterhin Bestand hatte.