Haushalt und Wohnen 1465/75

Allgemein: Wie auch in modernen Zeiten üblich, befanden sich in einem mittelalterlichen Haushalt eine Unzahl an Gebrauchsgegenständen, welche in ihrer Gesamtheit erst die Funktionalität des Haushaltes ermöglichten. Obwohl in Nürnberg etliche Fundkomplexe ergraben wurden, kann trotzdem aus verschiedenen Gründen nicht die komplette Vielfalt mittelalterlichen Hausrats erschlossen werden. Viele der Gegenstände haben die lange Liegezeit im Boden nicht überdauert und sind aufgrund der Bodenverhältnisse zur Gänze verwittert oder wurden bis dato, obwohl geborgen und katalogisiert, der Öffentlichkeit noch nicht oder nur in Teilbereichen zugänglich gemacht.
In Bereichen, wo uns örtliche Funde keinen Anhaltspunkt liefern können, müssen zur Rekonstruktion der Gegenstände, welche einem funktionierendem Haushalt zuzurechnen sind, Funde aus anderen, nichtregionalen Grabungen, weiterhelfen.
Auch Bild- und Textquellen müssen bei der Rekonstruktion zu Rate gezogen werden, wobei jedoch Bildquellen als Grundlage für Rekonstruktionen vor allen Dingen bei Sachgütern durch künstlerische Freiheit in der bildlichen Darstellung nur bedingt geeignet sind.
Eine erfreuliche Ausnahme stellt hier die Gebrauchskeramik in Nürnberg dar. Hier greifen wir, Dank der Vielfalt der geborgenen Stücke, ausschließlich auf die verschiedenen Nürnberger Fundkomplexe und Fundstücke aus der Region, welche der Nürnberger Typologie entsprechen, zurück.

Glas: Im Hoch- und Spätmittelalter wurden in den Glashütten des Böhmerwaldes aus dem grünlichen Waldglas die verschiedensten Gefäßformen, wie z.B. Becher, Kannen oder Flaschen, hergestellt. Auch im Spessart lässt sich eine umfangreiche Glasproduktion nachweisen. Vielfältige Dekore auf den Gefäßen zeugen auch heute noch von großem handwerklichen Geschick sowie Kreativität der Glasbläser. Auf den damaligen Haupthandelsrouten von Böhmen über Nürnberg Richtung Westen in das heilige römische Reich hinein und umgekehrt, fand Gebrauchsglas auch den Weg nach Nürnberg. Neuere Vermutungen gehen inzwischen auch von einer bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts andauernden, regionalen Glasproduktion im Nürnberger Raum aus. (C. Frieser, 1999).

Lange Zeit bleiben Gläser im archäologischen Fundgut selten und galten deshalb allgemein als vornehmes Trinkgeschirr einer exklusiven Oberschicht. Mit der systematischen Erforschung der mittelalterlichen Stadtkerne änderte sich das Bild radikal: Seit den 1980er Jahren finden sich Fragmente von unterschiedlichsten Glasgefäßen auch in Gebäuden, deren Besitz eindeutig der Handwerk treibenden Bevölkerungsschicht zugeordnet werden können, in großen Mengen. Aber auch Flachglas, also Fensterglas, taucht bereits relativ früh in den archäologischen Funden auf und gehört somit offensichtlich bereits im 14. Jahrhundert zum gewohnten Bild einer mittelalterlichen Stadt.

Keramik: Die Produktion von Keramik gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit. Keramik wurde, seit ihrem ersten Auftreten an der Wende vom Mesolithikum zum Neolithikum, auf vielfältigste Weise, sowohl für den täglichen Gebrauch als Kochtöpfe, als auch als Vorratsbehälter benutzt. Ihre enorme Verbreitung verdankt sie wohl daher den erweiterten Möglichkeiten zur Aufbewahrung von Nahrungsmitteln. In den meisten Fällen gibt es kein Fundgut, das häufiger auftritt.

Für Nürnberg läßt sich die Verwendung von getöpferten Gefäßen archäologisch anhand von Scherbenfragmenten aus einer Grabung im Pallas der Burg sicher ab dem 10. Jahrhundert nachweisen. Ab dem 12. Jahrhundert sind Becher, Kochtöpfe und allgemein keramische Fragmente aus lokaler Produktion (A. Lorenz 1989) sowie Imitationen Pingsdorfer Keramik archäologisch gesichert. Eine größere Formenvielfalt finden wir dann zum Ende des 13. Jahrhunderts, welcher sich dann im Verlauf des 14. Jahrhunderts neue Formen hinzufügen. Exemplarisch seien hier die Gefäße mit mehrpassförmigem Rand, welche ab dem 14. Jahrhundert vermehrt archäologisch erfaßt werden können, erwähnt. Obwohl lokale Töpfereien archäologisch bisher nicht durch Fabrikationseinrichtungen oder zugehörige Gebäude zu lokalisieren sind, ist anzunehmen, dass der Grundbedarf an irdenem Geschirr in Nürnberg aus lokaler Produktion gedeckt wurde. Eine Vielzahl kleinerer bis mittlerer Töpfereien muss wohl im ländlichen Raum und im direkten Umfeld Nürnbergs zu suchen sein. Hierfür spricht vor allen Dingen die regional zu anderen Befunden abzugrenzende Formensprache vieler Stücke. Auch hier seien wieder die mehrpassigen Gefäße beispielhaft erwähnt, da gerade bei diesen ein enormer Unterschied z.B. zu Stücken aus Bayreuth (A. Bischof, 2006) oder Rothenburg festzustellen ist.

Holz: Unter den in der Nürnberger Altstadt ergrabenen Funden mittelalterlichen Hausrates befindet sich auch eine, im Vergleich zu den keramischen Funden verhältnissmäßig geringere Anzahl hölzerner, überwiegend gedrechselter oder geböttcherter Gegenstände. Die Abhängigkeit des organischen Materiales Holz von der Bodenbeschaffenheit sowie den dort auftretenden chemischen und physikalischen Bedingungen erklärt die Tatsache, dass in Nürnberg weitaus weniger Befunde aus Holz ergraben werden können als z.B. keramische Objekte. Trotz der vergleichsweise geringen Anzahl von hölzernen Fundobjekten kann deren Vielfalt einen Überblick über Formen, Größen und Variationen geböttcherer und gedrechselter Ware bieten.