Beutelbecher

Quelle: Repliken zweier Beutelbecher aus der Latrinengrabung im Spital in Bad Windsheim, publiziert in „Der Windsheimer Spitalfund aus der Zeit um 1500″ von Walter Janssen im Verlag des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg.

Beschreibung der Originale:
Beide Becher besitzen keinen ausgeprägten, flachen Standboden, das Unterteil der Becher weißt eine Zwiebelförmige Form auf, die größte Gefäßweite liegt hierdurch nahe beim Boden. Die Randpartie oberhalb der Halseinziehung ist bei beiden Bechern gebaucht, beim rechten Objekt ist diese Bauchung wesentlich stärker ausgeprägt. Der Randdurchmesser ist bei beiden Bechern kleiner als die größte Gefäßweite. Anhand dieser Formensprache können beide Objekte als Becher Typ 10b nach Robert Koch eingeordnet werden.
Beide Becher waren, neben etlichen weiteren Objekten, Bestandteil der keramischen Funde aus der Grabung in der Latrine des Bad Windsheimers Spitales.

Quellenlage und Vergleiche: Die Datierung der Funde dieser Grabung wird auf „um 1500″ festgelegt, vergleichbare Funde eines Bechers von der 1399 zerstörten Burg Tannenberg bei Darmstadt , eines zerscherbten Bechers aus Tauberrettersheim, welcher wohl als Gefäß für einen nach 1441 vergrabenen Münzfund gedient hatte, sowie ein weiterer Becher aus Nördlingen, welcher im dortigen Rädlerhaus 1442 vermauert wurde, lassen jedoch eine Laufzeit vom Ende des 14. Jahrhunderts bis in die frühe Neuzeit hinein vermuten.

Anmerkung:Im allgemeinen Sprachgebrauch wird meist für Beutelbecher in ihrer Gesamtheit der Begriff „Krausen“ oder „Hessische Krausen“ verwendet. Als Anhalt dienen hierbei die der Töpferei von Creussen in Oberfranken zugewiesenen Becher (siehe auch H.Ebner, Creußener Töpferkunst). Nach R. Koch weißen alle jene Stücke, welche dem Herstellungsort Creussen zuzuweisen sind, in der oberen Randpartie eine schmale und gekerbte Leistenverzeirung auf, womit Koch sie als eigene Variante der Beutelbecher Typ10c bezeichnet.

Diese Rekonstruktionen sind eine Arbeit von Anna Axtmann.