Löffel Kühnertsgasse


Quelle: Das Original befindet sich im Besitz des naturhistorischen Museums Nürnberg und wurde 2006 im Rahmen einer kleinen Ausstellung zum Thema Mittelalter präsentiert.

Beschreibung des Originales: Der Löffel besitzt eine ovale Laffe und einen relativ grob geschnitzten, mehrkantigen, kurzen und zum Ende hin flach auslaufenden Stiel. Laffe und Stiel ergeben seitlich betrachtet zusammen eine gestaucht S-Förmige Gestalt.

Über das verwendete Material ist zur Zeit nichts bekannt, Vergleiche mit anderen Funden aus z.B. Freiburg, Konstanz und Bad Windsheim legen jedoch die Vermutung nahe, dass es sich bei der verwendeten Holzart um Ahorn handelt. Fundort des Löffels in Gesellschaft anderer Holz- sowie Lederfunde war eine Gefachverfüllung in einem Handwerkerhaus in der Kühnertsgasse in Nürnberg. Der Fund ist aufgrund der Baugeschichte des Gebäudes in seiner Gänze auf um 1440 datiert worden.

Quellenlage/Vergleiche: Obwohl die Datierung des vorliegenden Stückes sicher um 1434 festzulegen ist, kann durch Vergleiche mit anderen Funden aus Konstanz (U.Müller), Würzburg (A.Gareiß-Castritius) und Nürnberg (K.Kohn) die Verwendung kurzstieliger Löffel als Tischgeschirr ab ca. 1300 vermutet werden.

Obwohl in den einzelnen, süddeutschen Funden die Linsenförmige Laffe vorherrscht, lassen Einzelfunde aus Konstanz (U.Müller) sowie Würzburg (A.Gareiß-Castritius) auch das Aufkommen spitzovaler Laffen in Kombination mit kurzen Griffstielen im selben Zeitrahmen vermuten.

Bei Heranziehung der Funde aus Bad Windsheim kann die Laufzeit dieser Löffelform mit s-förmig geschwungenem Gesamtbild, kurzem Stiel und spitzovaler Laffe vermutlich in einem Zeitraum von um 1300 bis über 1500 hinaus veranschlagt werden.

Ein weiterer Fragmentfund aus Nürnberg, welcher jedoch nur aus einem runden Löffelstiel mit Kugelknauf am Ende besteht, stammt aus dem Fundkomplex “Wirtshaus zum wilden Mann” (K.Kohn) und ist, nach neueren Angaben, in das 14. Jahrhundert zu datieren.


Generell:
Im Gegensatz zu heute, wo Geschirr in grosser Zahl einen Nutzgegenstand ohne jeglichen persönlichen Bezug darstellt, war es im Mittelalter durchaus üblich, daß der Gast sein eigenes Besteck, welches lange Zeit nur aus Löffel und Essmesser bestand, selbst zur Tafel mitbrachte. Der Löffel ist, wie wohl kaum ein anderes Stück spätmittelalterlicher Alltagskultur, als persönliches Besitztum des mittelalterlichen Menschen anzusehen.