punzierte Tasche

Quelle: „Purses in Pieces – Archaeological finds of late medieval and 16th-century leather purses, pouches, bags and cases in the Netherlands“, O. Goubitz

Beschreibung der Rekonstruktion: Die Tasche wurde aus vegetabil gegerbtem sowie mit Essig-Eisensulfat-Lösung auf der Narbenseite schwarz gebeiztem Bovinaleder und mit gewachstem/gepichtem Leinenzwirn in Wendenahttechnik von Hand genäht worden. Die Tasche ist mit einer quadratischen Schliesse aus Zinnguß versehen, diese Schnallenform und deren Verwendung als Taschenverschluss ist im Zeitraum 1440 – 1475 auf vielen Altarbildern im süddeutschen Raum zu beobachten.
Punzierte bzw. dekorierte Taschen sind bei archäologischen Grabungen äußerst selten im Fundgut enthalten. Ein relativ
gut erhaltenes Fundstück wurde in der Nähe von Nieuwlande/Holland entdeckt. Die eingebrachten Verzierungen wurden z. Teil gestempelt bzw. in die Lederoberfläche geschnitten und punziert.
Abweichend vom Original wurde bei der Rekonstruktion die Inschrift in „Sanctus Michael Sanctus“ geändert.

Generell: Da mittelalterliche Kleidung im Gegensatz zu modernen Kleidungsstücken keine eingearbeiteten Taschen besaß, wurden bei Bedarf Beutel aus vielfältigen Materialien sowie andere Taschen, meist am Gürtel befestigt, getragen. Speziell Gürteltaschen in ihren unterschiedlichsten Formen erfreuten sich, wie uns einen Vielzahl von zeitgenössischen Abbildungen zeigen, besonders ab dem Spätmittelalter einer weiten Verbreitung, wobei diese scheinbar beinahe ausschliesslich von Männern getragen wurden.