Werkzeuge

Das Nähmedium und der „Draht“…
In den meisten Fällen wurde zum Vernähen der Schuheinzelteile Leinengarn verwendet, welches nach dem Zwirnen mit Schusterpech und Wachs behandelt wurde – dadurch ergibt sich eine besonders hohe Reißfestigkeit und es entsteht der sog. „Draht“.
Archäologisch sind diese Drähte in den seltensten Fällen nachzuweisen, Ausnahmen finden sich hier fast nur bei sog. Trockenfunden, erwähnt seien hier z.B. die bei den Umbauarbeiten im Schloß Lengberg/Osttirol in einem Gewölbezwickel entdeckten Schuhfragmente, hier weisen auf erhaltene Reste auf die Verwendung von Leinenzwirn hin.

Genausowenig ist nachzuweisen, welche Nähmedien letztendlich in spätmittelalterlicher Zeit verwendet wurden. Allgemein geht man zwar davon aus, dass auch wie im 19. und noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts Schweineborsten zum Vernähen eingesetzt wurden, letztlich muß dies jedoch spekulativ bleiben. Einige Abbildungen im Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung weisen darauf hin, das möglicherweise auch Nadeln aus Buntmetall oder Eisen zum Nähen verwendet wurden.
Archäologisch gibt es keinerlei Hinweise, welche Nähmedien verwendet wurden, da  bisher nur wenige als Schuhmacherwerkstätten zu bezeichnende Befunde archäologisch erfasst worden sind und sich das Fundgut hier meist auf Lederfragmente beschränkt.

Ein Bund Schweineborsten sowie gepichter und gewachster Draht mit angesetzten Borsten

Ein Bund Schweineborsten sowie gepichter und gewachster Draht mit angesetzten Borsten


Die Ahlen

Die Ahle ist prinzipiell ein einfaches Werkzeug, mit dessen Hilfe man Löcher in verschiedene, weiche Materialien stechen kann. Um z.B. Leder mit Nahtlöchern zu versehen, sind Ahlen in verschiedenen Formen unentbehrlich.
Die Ahle ist ein spitz zulaufender, dünner Metallstift, der entweder gerade verläuft (Rundahle) oder im Bereich der Spitze gebogen ist.  Rundahlen sind archäologisch in vielen Fundkomplexen (z.B. Schleswig, York etc.) und auf Abbildungen (exemplarisch hierfür die Hausbücher der mendelschen Zwölfbrüderstiftung) für das gesamte Mittelalter nachzuweisen. Gebogene Ahlen sind im Fundgut deutlich seltener vorhanden, sind aber für das 13. Jahrhundert in Basel sowie für das 14. Jahrhundert in Strassburg und York nachzuweisen
Beide Formen sind meist mit Holzgriffen verschiedenster Formen geschäfftet.

Links zwei einfache Rundahlen, rechts eine gebogene Ahle. Die Grifformen entsprechen Abbildungen aus dem Hausbuch der mendelschen Zwölfbrüderstiftung.

Diese Ahlen sind Arbeiten von Bernd Wachter